Was sind Gerüste?

Gerüste verschaffen einen einfachen Zugang zu Industrieanlagen

Ein Gerüst ist eine temporäre Konstruktion, die in der Regel aus Metallstangen und Holzbrettern besteht und zur Unterstützung von Bauarbeitern, Industrieprüfern, Reinigungskräften und anderen Personen, die in der Höhe arbeiten müssen, verwendet wird. Die Verwendung von Gerüsten geht bis in die Steinzeit zurück – es gibt sogar Hinweise darauf, dass Gerüste bereits vor mehr als 15.000 Jahren von den Malern der berühmten paläolithischen Höhlenmalereien verwendet wurden. Im heutigen Zeitalter hat sich der Gerüstbau weit über diese frühen Versionen hinaus entwickelt und es gibt ihn in verschiedenen Ausführungen und aus unterschiedlichen Materialien. Dieser Artikel befasst sich mit der heutigen Nutzung von Gerüsten, ihren Arten und Komponenten, ihrer Verwendung, der Frage, ob man sie mieten oder kaufen sollte, und wirft zum Schluss einen Blick darauf, wie die neue Drohnentechnologie Arbeitern in verschiedenen Branchen dabei helfen kann, ihren Gerüstbaubedarf deutlich zu reduzieren.

Wenn es darum geht, sicherzustellen, dass Anlagen korrekt instand gehalten werden, kann die Bedeutung der zerstörungsfreien Prüfung nicht hoch genug eingestuft werden. Hier sind die wichtigsten Gründe, weshalb die zerstörungsfreie Prüfung von so vielen Unternehmen weltweit eingesetzt wird:

Was ist ein Gerüst?

Ein Gerüst, auch Baugerüst oder Arbeitsbühne genannt, ist eine temporäre Konstruktion, die es Menschen ermöglicht, auf einer stabilen Ebene zu stehen, um in der Höhe oder an schwer zugänglichen Stellen zu arbeiten.Diese temporären Strukturen werden häufig beim Bau, bei der Instandhaltung oder Reparatur von Gebäuden, Brücken und anderen von Menschenhand geschaffenen Anlagen verwendet, um Arbeiter und Materialien zu tragen.

Die Vorteile bei der Arbeit mit Gerüsten

  • Einfacher Zugang. Gerüste ermöglichen einen ungehinderten, sicheren Zugang zu fast allen Bereichen einer Anlage.
  • Gute Stabilität. Gerüste bieten den Arbeitern einen festen Stand und ermöglichen es ihnen, während der Arbeit das Gleichgewicht in verschiedenen Arbeitspositionen zu halten.
  • Einfacher Aufbau. Gerüste lassen sich relativ leicht auf- und abbauen und können relativ schnell auf- und abgebaut werden.
  • Langlebigkeit. Die meisten Gerüste sind sehr langlebig, unabhängig davon, ob sie aus Holz oder aus Stahl gefertigt sind.
  • Sicherheit. Sicherheit ist einer der wichtigsten Vorteile von Gerüsten, da sie den Arbeitern eine stabile Plattform für ihre Arbeit bieten. Die optimale Lösung für die Arbeit in der Höhe besteht jedoch darin, die Notwendigkeit der Anwesenheit einer Person zu verringern oder sogar ganz zu vermeiden – im letzten Abschnitt dieses Artikels werden wir uns damit befassen, wie Drohnen den Prüfern dabei helfen können, den Bedarf an Höhenarbeiten zu reduzieren.
  • Kann als Brücke dienen. Bei vielen Bautätigkeiten müssen die Arbeiter längere und komplizierte Wege zurücklegen, um bestimmte Stellen auf der Baustelle zu erreichen, was eine enorme zusätzliche Belastung darstellt. Übergänge an Gerüsten können dazu beitragen, dieses Problem zu bewältigen, indem sie die Entfernung, die die Arbeiter zurücklegen müssen, reduzieren.

Gefahren beim Arbeiten mit Gerüsten

Laut DGUV gab es im Jahr 2020 mehr als 5900 meldepflichtige Unfälle im Zusammenhang mit Gerüsten, von denen 15 tödlich endeten. Weitere Infos zu Absturzunfällen: BGBAU

  • Defekte. Unfälle im Zusammenhang mit Gerüsten werden häufig durch mangelhafte Gerüste verursacht. Einige Beispiele für Mängel sind beschädigte Stahlrohre oder Schrauben, die nicht richtig montiert sind.
  • Herabfallende Gegenstände. Herabfallende Gegenstände wie Werkzeuge, Baustoffe oder Abfälle sind eine häufige Verletzungsursache bei Arbeiten auf Gerüsten. Um Verletzungen im Zusammenhang mit herabfallenden Gegenständen zu vermeiden, empfiehlt es sich, für jede Gerüstebene eine Abdeckung vorzusehen.
  • Missachtung von Sicherheitsregeln. Zahlreiche weitere Gründe können zu schweren und tödlichen Unfällen führen, z. B. die Überladung von Gerüsten oder die Errichtung von Gerüsten in zu geringer Entfernung zu potenziell gefährlichen Stromquellen.
  • Witterung. Bei schlechtem Wetter kann es sehr gefährlich sein, in der Höhe an einem halbfertigen Gerüst zu arbeiten. Regen oder Schnee können die Dielen rutschig machen, und Temperaturschwankungen können die Befestigungspunkte kompromittieren und dazu führen, dass sich die Dielen lockern, brechen und kaputt gehen.
  • Mangelnde Unterweisung. Sowohl die Arbeit auf Gerüsten als auch der Bau von Gerüsten erfordern eine spezielle Ausbildung. Gerüstbauer und Monteure müssen im Gerüstbau und in den Sicherheitsnormen für das jeweilige Gerüst, das sie errichten, geschult sein, und die Gerüstbauer müssen über die mit Gerüsten einhergehenden Risiken Bescheid wissen.
  • Mangelhafter Aufbau. Unfälle auf Baustellen werden häufig durch unsachgemäße Gerüstkonstruktionen verursacht, z. B. wenn nicht alle Befestigungspunkte ordnungsgemäß angebracht sind, wenn keine Verstrebungen installiert sind oder wenn keine Schutzgeländer angebracht sind.
  • Mangelnde Arbeitsdisziplin. Stolper- und Rutschunfälle durch herumliegende Werkzeuge bzw. Arbeitsutensilien

Unterschiedliche Arten von Gerüsten

Dieser Artikel hat bisher überwiegend das Thema Arbeitsgerüste behandelt. Aber es gibt auch andere Gerüste, beispielsweise Schutzgerüste und Lehrgerüste. Die verschiedenen Gerüstarten im Überblick: 

1. Arbeitsgerüste. Arbeitsgerüste dienen dazu Arbeiten oder Überprüfungen an Stellen durchzuführen die ansonsten nur schwer zugänglich sind. Die Dimensionierung der Arbeitsgerüste hängt vom jeweiligen Einsatzzweck ab. Arbeitsgerüste werden in der DIN EN 12811:2004 beschrieben.

2. Schutzgerüste. Schutzgerüste dienen dazu um die Arbeiter gegen Absturz zu schützen oder Passanten und Arbeiter vor herunterfallenden Werkzeugen und Baustoffen zu schützen. Schutzgerüste sind in der DIN 4420-1:2004 beschrieben.

3. Lehrgerüste. Lehrgerüste werden im Betonbau Schalungsgerüste genannt und dienen zur Unterstützung der leeren Schalungsform. Sie sind somit keine Gerüste im klassischen Sinne wie wir sie hier beschreiben.

Die häufigsten 3 Einsatzzwecke von Gerüsten

  • Industriereinigung. Gerüste oder viel häufiger Arbeitsbühnen werden eingesetzt um bsp. Fenster oder Regalanlagen zu putzen.
  • Gerüste sind im Baugewerbe von entscheidender Bedeutung, da sie es den Arbeitern ermöglichen, in der Höhe auf einer stabilen Fläche zu stehen. Im Baugewerbe kommt es lt. DGUV auch am häufigsten zu Gerüstunfällen.
  • Inspektionen gehören zu den wichtigsten Einsatzgebieten von Gerüsten, da sie den Prüfern den Zugang zu Bereichen ermöglichen, die sie ansonsten nicht erreichen könnten, um Sichtprüfungen oder andere Arten von ZfP-Tests durchzuführen.

Welche unterschiedlichen Tragsysteme gibt es

Gerüste werden nach dem jeweiligen Tragsystem unterschieden in Standgerüste, Hängegerüste, Auslegergerüste und Konsolgerüste. Das Standgerüst steht auf festem Untergrund, das Hängegerüst ist an Rohren, Ketten oder Seilen aufgehängt, das Auslegergerüst wird mit Stahlprofilen als Ausleger auf Decken ausgeführt und das Konsolgerüst wird entweder aus Einzelkonsolen mit Bohlenbelag gebaut oder als fertige Bühne mit Konsolen an Aufhängungen eingehakt.
1. Standgerüst. Bei einem Standgerüst sind die Belagteile an oder auf einem, auf dem Boden fest stehenden Gerüstbauteil wie einer Holzstange, einer “Leiter” oder einem Rahmen befestigt. Dies ist das am häufigsten verwendete Tragsystem.
2. Hängegerüst. Ein Hängegerüst wird dann angewendet, wenn ein Standgerüst nicht gestellt werden kann. Dies ist häufig an Brücken oder ähnlichen Bauwerken der Fall. Die Abhängung wird entweder an einem eigenen brückenähnlichen Bauteil, an einem Ausleger oder an einer Konsole befestigt.
3. Auslergergerüst. Bei einem Auslegergerüst werden Träger auf der Decke befestigt, auf die dann die Belagteile aufgelegt werden. Dabei ist zu beachten, dass die Wanddurchbrüche für die Träger erst nach der Demontage des Gerüstes geschlossen werden können.
4. Konsolengergerüst. Bei einem Konsolgerüst werden Konsolen an der Außenwand angedübelt oder in ein Stahlseil oder in einbetonierten Aufhängeschlaufen eingehängt. Standgerüste brauchen demgegenüber nur wenige Befestigungspunkte bzw. Verankerungen, die in Form von Nylondübeln oder Gewindehülsen auch in der Fassade belassen werden können.

Welche unterschiedlichen Ausführungsarten von Gerüsten gibt es?

  • Stangengerüste. Stangengerüste aus Holz, Bambus oder Metallstangen sind in Deutschland nicht mehr anzutreffen, in weniger entwickelten Ländern aber noch an der Tagesordnung. Insbesondere Bambusgerüste kommen noch in asiatischen Ländern zum Einsatz.
  • Leitergerüste. Leitergerüste sind Weiterentwicklungen der Holz-Stangengerüste und kamen von den 1950er bis zu den 1970er Jahren zum Einsatz und können heutzutage aus arbeitsschutzrechtlichen Gründen nicht mehr eingesetzt werden.
  • Systemgerüste. Systemgerüste haben zahlreiche Verbindungspunkte um einen einfachen und dynamischen Aufbau zu ermöglichen. Sie sind in sechs Lastklassen und sieben Breitenklassen verfügbar, die abhängig vom jeweiligen Vorhaben vom Auftraggeber ausgewählt werden. Diese sog. Rahmengerüste und Modulgerüste kommen heutzutage vorwiegend in der Industrie vor.

Aus welchen Bauteilen besteht ein Gerüst?

  • Rahmen, Böden und Leitern
  • Sicherung der Statik
  • Sicherung der Außenseiten
  • Verbundstücke
  • Konsolen und Gitterträger
  • Aufzügen

Welche Normen gelten für Gerüste in Deutschland und Europa?

  • Normen für Arbeitsgerüste: EN 12810 bzw. EN 12811
  • Norm für Schutzgerüste: DIN 4420-3-2006-01
  • Norm für Traggerüste: EN 12812:2004 und EN 12813:2004
  • Norm für Fahr und Rollgerüste: DIN 4422-1 bzw. HD 1004:1992

Inwieweit kann der Einsatz von Drohnen den Gerüstbau einsparen?

Drohnen sind in der Lage enge und schwer erreichbare Bereiche in Industrieanlagen einfach und sicher anzufliegen und alle für die Inspektion relevanten Daten zu sammeln, für deren Inspetkion ansonsten ein Zugang mit Gerüsten, Kletterern oder Hubarbeitsbühnen erforderlich wäre. Das sind beispielsweise große Konstruktionen, wie Kessel, Wärmetauscher etc., aber auch enge Räume wie Tanks, Silos oder Chemiereaktoren. Das gleiche gilt natürlich auch für die Außeninspektion von Anlagenteilen, wie Schornsteinen, Dächern und Fassaden. Dadurch macht die Inspektion per Drohne weitere Hilfsmittel zum Teil überflüssig.

So sieht es aus wenn man einen Kessel in einem Kohlekraftwerk komplett einrüstet. Für Reparaturen ist das unerlässlich. Wenn es um die reine Inspektion geht, lässt der Kraftwerksbetreiber dies inzwischen von uns per Drohne erledigen.

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